Thailand_2023

Beruhend auf einer wahren Begebenheit. Die aufgeführten Personen sind real und deren Namen nicht geändert.

15. Januar - Denise wirbelt hektisch durch die Wohnung und ich sitze mit dem Smartphone auf der Toilette. Turnschuhe aus Stoff und ein Hoodie liegen bereit als der Regen mit Windstärke 5 gegens Fenster peitscht. Na das wird ja ein spannender Weg zur Bahn, denn ein Taxi mit zwei Kindersitzen gab es nicht. Denise ist wie immer vorbereitet und schnappt sich einen gelben Regenponcho während mir nach wenig Schlaf die Gleichgültigkeit im Gesichte steht. Schnell wird noch der verderbbare Kühlschrankinhalt eingefroren, drei Schrippen für den Weg geschmiert, Elli und Luca geweckt, bevor wir mit 3 Aufgabe- und 4 Handgepäckstücken im Treppenhaus stehen und ein defekter Lift rot blinkt. Eine Spur von Hektik ist zu vernehmen als wir mit beschriebenem Gepäck und den beiden Kids die vier Etagen runterstolpern. Es könnte nicht besser sein, denn der Regen ist vorbei und Denise hat eine gelbgoldene Regenjacke an.

6:12 Ostkreuz. Wir steigen in einen fast leeren Regio zum BER und haben Rückenschmerzen vom Sperrgepäck. Zum ersten Mal seit Tagen kommt so etwas wie Ruhe und Zufriedenheit in den Kopf. Endlich weg! Weg aus dem lauten Kiez, den jährlichen Winterdepressionen, dem Regen und Wahlpannen in Berlin.

Wir haben genau 18 Minuten, um zwei hungrige Mäuler zu stopfen, als der RB13 in den BER einläuft. Und nu isse ab... die Maske, die uns seit unserem letzten Thailandtrip 2020 so hingiebig begleitet hat, dass wir ihr keine Träne nachweinen. Sechs Wochen Freiheit - jippie. Wir schnappen unser Gepäck und die Kinder und bestaunen erstmalig den hochgelobten "neuen" Flughafen. Prädikat übersichtlich und pragmatisch! Eigenlich sieht er recht leer aus. Als wir jedoch zum Check-in Schalter unserer Airline kommen, wendet sich das Blatt. Es sieht nach langem Warten aus. Ich halte nichts von dieser nervigen Fülle und schlendere mit Luca und Elli in Richtung Priority Check-in und gebe den gestressten Vater. Sehr freundlich bietet man mir an sofort hier einzuchecken. 60 Kg Last sind von unseren Schultern und der Gang entspannt sich.

Beim Security Check muss jedes Objektiv, jede Kamera, jedes Tablet, Laptop und die Babynahrung aus dem Handgepäck gepellt werden und wir verursachen einen heftigen Stau und rollende Augen derjeigen, die es nicht schafften vor uns in der Schlange zu sein. Ich habe die Ruhe weg und Denise ist im Smalltalk mit dem Sicherheitspersonal. Am Gate wird uns der Grund der Sitzplatz Umbuchung ersichtlich. Aus dem A380 ist ein Mäuseflugzeug geworden. Endlich, wir sitzen im Flieger. Also ich sitze und Denise räumt. Dinge von A nach B und von Y nach Z. Die Plätze mit Babybettchen teilen wir uns mit einer anderen Familie und deren Kleinkind. Wir sitzen direkt in der ersten Reihe nach der Business Class. Wenn ich an die Launen unserer Kids denke, freue ich mich für die Vielzahler mit Sektfrühstück.

Das Entertainment ist Klasse und ich tauche in 159 Minuten der Elvis Verfilmung und bin wirklich reif für unseren Urlaub. Männer sind leider nicht multitaskfähig und ich überlasse die Betreuung Denise. Mürrische Blicke und mahnende Worte prallen ab. "Schatz nur noch kurz, der Film ist gleich zuende." Nachdem Luca eingeschlafen ist, verhallen die Rufe und Dank Noicecanceling waren diese eh schwer zu mir durchzudringen. Ich weiß gar nicht wie lang es her ist einen kompletten Film am Stück zuschauen. Ich weiß nur eins, ich will es nie wieder missen und zack klicke ich auf Top Gun mit 139 Minuten.

Elli ist im siebten Himmel: Trickfilme und Kidsmenü. 'Mama, Urlaub ist toll!' schallt aus ihrem Munde. Die begrenzte Schlafenszeit des Neuankömmlings Luca lässt uns in Kontakt mit der Nebenreihe treten und schwupps sitzen drei Erwachsene und zwei Kleinkinder mit Spielzeug auf dem Boden im Gang vor der Businessclass. Ich hab leider was am Meniskus und Top Gun läuft noch. Zudem ist es sehr witzig mit anzusehen wie die Crew die neue Slalomstrecke bewältigt. Grandios und trotzdem noch super freundlich.

Willkommen in Doha. 5 1/2 Stunden später landen wir im Wüstenstaat. Flughafentechnisch auf jeden Fall ein Kontrasprogramm. An der Sicherheitsschleuse gings dann in die Hose und zwar in Lucas Hose. Halbfest und schön rutschig schaukelt er seine Last in der Trage. Ab auf den Boden und einmal wechseln lässt sein Blick vermuten. Mit frischer Kleidung ab auf den Indoor Spielplatz und erneut warten. Drei Stunden können zäh sein. Als die Sonne untergeht steigen wir ins Flugzeug. Wieder kein A380.

Nach weiteren 6 1/2 Stunden ohne Schlaf haben wirs geschafft - Bangkok! Hier wirds knapp. In nur 90 Minuten Einreiseformalitäten, Security Check und Gatewechsel. Das Gate unseren Fluges nach Koh Samui liegt einen Kilometer Fußweg entfernt und Elli jammert und will Trickfilm gucken. Kurz vor der überfüllten Sicherheitsschleuse kommen zwei Beamte und beten uns mitzukommen. Fragen bringt nix. Wir werden an zwei weitere Beamte übergeben und hoffen, dass unser Koffer voller Milchpulver nicht der Grund für diese skurrile Situation ist, denn auch die nächsten zwei Herren wollen nicht mit uns reden. Denises "whats happened" schallt in Dauerschleife. Letztendlich wollte man familienfreundlich sein und uns zu einer anderen Schlange bringen, wo wir schließlich noch länger warten, denn Lucas Flughafendiarrhö schlägt zum zweiten Mal zu. Diesmal wandern die Klamotten direkt in den Müll.

Willkommen in Paradies

24 Stunden Anreise haben es in sich. Mein letztes Mal Durchmachen war mit 25 und danach gabs zwei Tage Wachkoma auf dem Sofa. Meine neue Realität beinhaltet drei weitere übermüdete Familienmitglieder und einen neu beginnenden Tag. Denn Dank Zeitverschiebung ist es jetzt 10 Uhr morgens auf Koh Samui. Herzlichen Glückwunsch, statt schlafen gilt es jetzt Kinder zu bespaßen. Gepäck ins Zimmer geschmissen und 30 Meter zum Strand. Willkommen im Paradies. Ich bin nicht mehr müde.

Dank Amazon schmückt sich unser Gepäck mit zahlreichen Mitbringseln für Nichtschwimmer. Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Brüderlein. Elli ist mit dem Wasser und ihren Schwimmflügeln bestens vertraut und Luca leistet bei der Anprobe seines feschen Wellenflitzers aufgrund von Müdigkeit keine Gegenwehr. Der Jetlag ist vergessen und wir chillen den ganzen Vormittag im Wasser. Denise schnappt sich dirket ein SUP und ist erstmal weg. Ich habe die Kinder am Hals. Meine Aufmerksamkeit lässt zu wünschen übrig und ich bemerke nicht, dass Luca unter seiner Sonnenbrille eingeratzt ist. Ich lasse ihn zum Strand spülen und bleibe im Wasser sitzen.

Am Besten schmeckts bei Mama...

Es ist zwar nicht meine Mama, aber die betagte Dame, die im Restaurant unserer Wahl ihre Hüften hinterm Herd rhythmisch bewegt und mit Woks jongliert, kann kochen wie eine Göttin. Denn nach solch einer Anreise und einem Strandtag sind wir nun seit 32 Stunden wach und wollten denTag endlich genüsslich ausklingen lassen. Voll auf die Zwölf würde ich mal sagen. Was hier über die Theke kommt verursacht Gaumensex. Noch zwei kalte Chang und wir schlafen glatte 13 Stunden bis ein neuer Tag im Paradies erwacht.

Kapitel - 2

Da bereitet man sich seelisch auf eine Woche Jetlag-Probleme vor und dann gibts keine. Es bietet sich ein eher ungewohntes Bild: Sonne und Meer lässt die Kids nachts 10-12 Stunden zur Ruhe kommen und tagsüber wird mittags ein weiteres Mal das Kopfkissen zurechtgezupft. So gab es genug Zeit für Entspannungsmassagen und weitere SUP-Touren. In unserem Lieblingsrestaurant haben wir inzwischen die Karte hoch und runterbestellt und mittlerweile wird uns sogar ein Kids-Club geboten. Die Restaurant Chefin nimmt Luca in Empfang und füttert ihn genüsslich mit Bananen, anschließend wird mit ihm gespielt und am Ende gibts ein Ladung Mückenspray. Seine Haare sind dann immer so feucht, dass man ihm ohne Probleme einen Scheitel ziehen kann. Elli bekommt meist einen "Elsa-Zopf" geflochen, ihre Mückenstiche mit Aloe Vera versorgt und für die Pommes gibts eine extra Ladung Ketchup. Denise und mir wird ein großes Chang hingestellt, dann sacken wir mit Rundrücken in den Sessel und genießen die Show... Prost!

Mit Sonnenaufgang des dritten Tages hat sich unsere seichte See in ein Surferparadies verwandelt. Der Wind pfeift zügig aus nordost, so dass die Sonne einem unbemerkt den Pelz verbrennt. Das SUP ist in der Ecke, Denise und ich hüpfen abwechselnd in den Wellen hin und her und die Kids sind dazu verdonnert am Pool zu verharren, damit die Strömung des thailändischen Golfes sie nicht zwei Strände weiterspült. Den Ärger darüber lassen sie gegenseitig an sich aus und necken sich ununterbrochen. Elli erfährt schnell, dass der kleine Brocken neben ihr zum Hulk mutiert, wenn man ihm sein Spielzeug streitig macht. Während er wie ein Pascha im Sitzsack lümmelt, darf Elli zu seinen Füßen Platz nehmen, und selbige genüßlich kraulen.

Unsere ganzen Beautybehandlungen in Form von wohltuenden Massagen, haben eine kleine Delle ins Urlaubsbudget geschlagen, sodass wir entschieden haben uns selbst um Frühstück zu kümmern. Leckeres Obst, Käse, Butter und sowas ähnliches wie Brot ist schnell besorgt. Die anfängliche Skepsis der Kinder wurde erst mit einem zusätzlichen Glas Marmelade befriedigt. Es ist ein eher geschmackloses Gelee mit einem Übermaß an Zucker. Denise fragte mich, ob ich ohne einen Blick aufs Etikett die Sorte erschmecke. Ich meinte nur, dass meine Geschmacksnerven durch die übermäßig scharfen Currys jeden Abend derzeit nicht auf der Höhe sind. Den Smalltalk über undefinierbare Fruchtaufstriche hatte Luca indess genutzt, um sein verdautes Frühstück in braun-cremiger Form zu unseren Füßen zu plazieren. Unter Würgereiz stehen wir nun mit ihm an der Duche und versuchen, das Dilemma zu beheben. Ab sofort nur noch Windeln im Innenraum.

Jetzt ist es soweit, nach einigen Tagen steht unser erster Umzug an. Jetzt wird uns zum ersten Mal die Fülle an Gepäck bewusst, die wir über Tage im Hotel verteilt haben und nun irgendwie wieder transportfähig gemacht werden muss. Als ich wahllos Dinge in meinen Rucksack stopfe, werde ich von Denise nach meinem System gefragt. Ich frage meinerseits, an welches System sie da denkt, da wir ja nur 400m weiter eine Hippieunterkunft gebucht haben und dort eh wieder alles auspacken. Wer kein System hat, darf mit den Kids zum Pool, sie beschließt den systematischen Packvorgang allein zu bewältigen. Ich frage in der Zeit nach einem Taxi für den Katzensprung und man offeriert mir einen Preis, der sich gewaschen hat. Ich wiederhole skeptisch die Summe und bekomme ein Nicken. Dann frage ich, ob ich mir die Pritsche leihen kann, mit der man unser Gepäck aufs Zimmer gebracht hat. Kein Problem, es geht aber bergauf. Ich lächele müde und als der Packvorgang fertig ist, beladen wir das rostige Teil. Oh man, die Sonne brutzelt und ich schiebe 120kg Gepäck durch die Gegend. Leider sind die Bordsteine ungeeignet, so dass ich das Ganze auch noch auf der viel befahren Staße vollziehe. Als wir die Einfahrt zum Hippie Resort nehmen, stehen wir vor einem Berg und ich bekomme Schweißausbrüche.

Kapitel - 3

on top of the hill

Geblendet von Hochglanzabbildungen auf Booking.com sitzen wir nun auf dem Gipfel des Berges im Varinda Hippie Resort und schauen vom Infinity Pool auf die peitschenden Wellen und die Gicht, die den Strand von hier oben in einen seichten Nebel hüllt. Eigentlich könnte es nicht schöner sein. 30°C ein kühles Blondes und zu zweit im Pool, mit traumhafter Sicht. Diesen romantisierenden Gedanken verliere ich als Luca mir ins Bein beißt und wie ein Blitz Richtung Brüstung auf den Abgrund zu flitzt. Es ist ein wunderschönes Hotel mit Liebe zum Detail, warum nur so schrecklich ungeeignet für Babys. Zwischen den Abständen an dem umlaufenden Geländer könnte man zwei Liebende in Missionarsstellung durchschieben. Es gibt 3 Pools auf unterschiedlichen Ebenen, überall sind Treppen ohne Geländer und meine Laune nach der Anreise mit dem Zweirädler ist am Boden. Ok, was sind denn die Pläne für die kommenden 7 Tage, frage ich ernüchternd und gucke zu einer schulterzuckenden Denise. Es ist frustrierend, der sprichwörtlich goldene Käfig für einen adipösen Vogel. Alle weinerlichen Bemühungen doch bitte unsere Reservierung zu stornieren, verhallen in einem klaren „no refund“.

Wir beschließen etwas Adrenalin loszuwerden und treten den Weg nach unten an. Es geht 112 Stufen bergab, Elli jammert und endlich erreichen wir horizontalen Boden. Wir setzen uns an den Strand und schweigen, denn heute sind die Wellen selbst für uns zu hoch. Dem Schweigen folgen einige müde Zickereien, um herauszufinden was uns auf die Spitze getrieben hat, gefolgt von erneutem Schweigen. Die Wahl des Restaurants ist heute einfach, das mit dem günstigsten Alkohol gewinnt und die mentale Sonne beginnt langsam aufzugehen obwohl sich der Tag dem Ende neigt.

Neuer Morgen, neues Glück. Ich marschiere energiegeladen zur Hotelmanagerin und frage wo denn das seichte spiegelnde Wasser geblieben ist, das uns doch die ersten Tage am Strand geboten wurde. Sie holt eine große Karte hervor, schiebt ihre Brille Richtung Augen und sagt: Crystal Bay! OK, das klingt gut, aber was gibt’s dort frage ich ungläubig. Die Crystal Bay liegt wohl geografisch so optimal, dass selbst, wenn die Insel in einem Monsun versinkt, dort die Surfer gelangweilt auf ihre Wellen warten. Ich bin begeistert und kann es kaum erwarten, mir die Sachen vom Leib zu reißen und mit Elli und Hulk entspannt im flachen Wasser zu tollen. Nach 53 Stufen erreiche ich den Bungalow, wo Denise bereits systematisch die Badesachen packt. Als hätte sie es geahnt. Ich erzähle ihr die Neuigkeiten und wir machen uns frohen Mutes für den Abstieg bereit, um ein Taxi Richtung Crystal Bay zu ordern. An der Straße rasen volle Taxis an uns vorbei und wir schwitzen im Elektrosmog der freihängenden Leitungen und atmen Feinstaub. Ich bitte die Familie in den Schatten und stehe wildwinkend an der Hauptstraße. Ein freundlicher westlich anmutender Jüngling kommt auf mich zu und teilt mir mit, dass es um diese Zeit unmöglich ist ein Taxi zu bekommen, weil jeder der in einem Hotel arbeitet und auf dem Wege ist, und zwar mit Taxis. Nimmt, dass denn gar kein Ende? Da will man den goldenen Käfig verlassen und bleibt mit dem Knöchel in den Gitterstäben hängen. Ich schaue wohl so ernüchternd, dass er mir anbietet uns mit seinem Mietwagen zu transportieren. „Wow, der Knaller!“ brülle ich, als ich ihn unfreiwillig umarme. Nach 15 Minuten erreichen wir die Chrystal Bay. Alles entladen und Tschüss gesagt, stehen wir noch an der Straße, als meine bereits geeichten Ohren die brechenden Wellen donnern hören. Ich drehe mich um und blicke in die Rücklichter des Wagens vom feschen Jüngling.

Gucci, Prada oder in meinem Fall Kaufland. Ich schnappe mir die riesige Tasche mit den Standutensilien und stapfe Richtung Meer. Elli schnappt sich eine Schaukel und ich stehe an der Brüstung eines Hotels und versuche die unbändigen Wellen in Form von Fotos zu dokumentieren. Klitschnass treffe ich nach gewünschtem Resultat wieder auf meine Reisegruppe. Wir suchen uns einen Platz, der noch nicht von den Wellen unterspült wurde und es bietet sich das gleiche Szenario wie die vergangenen Tage. Denise und ich gehen abwechselnd ins Wasser und die Kinder buddeln im Sand oder schlafen fernab unseres Hotels.

Ab geht’s… Denise schnappt sich die erste Welle und wird wie eine Flaschenpost zurück an den Strand gespült. "Es ist der Wahnsinn!" schreit sie euphorisch. Nun mit etwas mehr Körperspannung und das Ganze sieht sehr professionell aus. Ganz so gut stelle ich mich nicht an. Ich will für ein Foto besonders lässig aussehen und bleibe beim Springen unter einem Stein hängen. Eine zweite Welle löst mich aus der misslichen Lage und als ich an den Strand krieche, hängt die Haut in Fetzen. Das Baden überlasse ich an diesem Nachmittag Denise und als die Sonne sich dem Horizont nähert, humpel ich mit meiner Kauflandtasche Richtung Straße.

Pina Colada

Nach einigen Tagen in der bunten Hippiewelt haben wir uns eingegrooved und an diesem Morgen schmeckt der undefinierbare Fruchtaufstrich besonders skurril. Eine Note von Ananas macht sich am Gaumen bemerkbar. Das ich solch defiziele Nuancen trotz des starken Kaffees schmecken kann erfüllt mich mit Freude, obwohl der Inhalt des Glases wie immer rot aussieht. Ich frage Denise, ob sie die Vielfalt des Glasinhaltes ebenfalls bemerkt und bekomme nur ein plumpes: trink abends nicht so viel Pina Colada. Ach ja, stimmt. Wir haben seit 3 Tagen auf Grund der Kola im Cuba Libre und die damit verbundenen Schlafstörungen auf Pina Colada umgestellt. Zudem schmeckt man noch weniger vom Rum, der hier wahrscheinlich auch als Kraftstoff aushilft. Ich versinke wieder in meinem Ananastraum als es auf der Terrasse rummst und scheppert. Elli kommt angelaufen und sagt ihr sei da etwas runtergefallen. Ich begleite sie zum Corpus Delikti und frage, wo den der Teil des Geländers hin ist, der uns eigentlich vom Absturz sichern soll. Ich bin nur mit dem Fuß dagegen und dann war da ein großes Loch. Der zügige Salzwind hier oben hat die Lebensdauer der Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Holz dermaßen zugesetzt, dass sie jetzt 4 Meter weiter unten neben dem Gehege von Polarfüchsen liegt. Die Besitzer vom Varinder Hippie Resort halten sich diese aus Zwecken der Fortpflanzung und des gewinnbringenden Weiterverkaufs des Nachwuchses. Aber zurück zu den Reparaturmaßnahmen an der Absturzsicherung.

Die Hotelmanagerin gibt lässig zu verstehen, dass das repariert wird. Ich bitte sie wieder den freundlichen Herren zu schicken, der Bereits den Kühlschrank getauscht und die verstopften Abflüsse behoben hat. Die vielen bunten Farben und Weisheiten die uns hier ständig ins Auge fallen, sollen viell. Über den maroden Gesamtzustand hinwegtäuschen. Wir fühlen uns auf der Terrasse erstmal nicht so sicher und beschließen einen weiteren Anlauf am Pool. Elli schnappt sich ihre Schwimmflügel und jubelt: Heute kommt Liam!! Richtig und dies in Begleitung von Mela. Nach Anreise-Caos haben es Mela und Dan samt Kids auf die Insel geschafft und heute steht das erste treffen an. Der Weg ist wie immer recht mühsam. Es ist auch sehr frustrierend, die ganzen stufen unseres Baumhauses herabzusteigen, um dann sofort den Oberkörper 30° nach vorn zu beugen, um den Berg hinauf zum Pool zu erklimmen. Der Kinderpool sieht heute irgendwie merkwürdig aus. Liam springt hinein und schreit: Es brennt. Der Poolboy hat es besonders gut gemeint und heute etwas mehr Chlor verteilt. Vielleicht hatte auch er zu viel Pina Colada. Weiße Chlorkügelchen bilden einen weißen Schnee-artigen Teppich am Grunde des Infinitypools für Kids. Diese ziehen sich zurück zum Billardspielen und selbst Luca wird mit eingebunden, Mela und Denise geben sich Updates bei nem Bierchen und ich passe auf, dass niemand durchs Geländer rutscht. Eins weiß ich, heute Abend gibt’s Pina Colada.

Neuer morgen neues Glück. Wir beschließen uns nach dem Dilemma mit unserem Pool heimlich in unser altes Hotel zu schleusen und dort abzuhängen, wo sich Palmen entlang von horizontalen Wegen säumen. Da liegen wir nun und können endlich entspannen und beides genießen. Wir haben Spaß im Meer und die Kinder chillen im Pool. Es ist wie so oft im Leben. Eigentlich hat man alles und es ist perfekt, doch man will immer höher und weiter. In unserem Fall war das der Umzug in das Varinda Hippiresort. Am kommenden Tage beschließen wir Mela und Dan Mela zu besuchen, da uns der Hotelmanager unseres alten Hotels in ein Gespräch verwickelt hat, in dem wir das Gefühl hatten, dass der Poolbereich doch eher für die Gäste bestimmt ist, die hier noch wohnen.

Mit Sack und Pack schlagen wir am dritten Pool dieser Woche auf und die Sonne brutzelt fröhlich vor sich hin. Wir genießen einfach die Ruhe bei ein paar Kaltgetränken. Als Denise vom Baden im Meer zurück ist, empfiehlt sie mir, mich mit meiner Kamera auf den Weg zu einem verlassenen Tempel zu begeben, den sie vom Wasser aus gesichtet hat. Das hört sich fantastisch an und ein bisschen Zeit ohne aufmerksamkeitsfordernde Kinder tut mir jetzt bestimmt gut. Der Weg zu besagtem Tempel führt über eine Steinige Klippe und dann hinein ins dichtbewachsene Unterholz. Wenn ich durch das Objektiv meiner Kamera blicke, tauche ich in eine eigene Welt und vergesse alles um mich. So fällt es mich auch nicht auf, dass sich mir zwei Hunde nähern, die sich beim Blick über die Kamera vor mir aufbäumen und anfangen zu knurren. Ich weiche einen Schritt zurück und bekomme als Antwort fletschende Zähne. Ups, vielleicht doch lieber einen Schritt zur Seite? Die Antwort bleibt die gleiche. Ängstlich lasse ich meine Kamera am Gurt herunterrutschen und bin bereit sie als Schleuder zu nutzen. Als ich den Wert der Kamera und des Objektives zusammenrechne entscheide ich mich für die Flucht und fange an zu rennen. Da meine Flip-Flops noch am Pool stehen, wird aus dem rennen im mit Ästen bestückten Hochgras eher ein Hüpfen und die beiden Kläffer hängen mir am Hacken. Nun noch schreiend übers grobe Gestein und mit einem Sprung über die Brüstung der Hotelanlage. Halleluja, die hatten bestimmt Tollwut im Pelz. Ich bedanke mich bei Denise für den tollen Tipp und verlange ein kaltes Bier.

Als ich an diesem Morgen erwache ist irgendetwas anders. Die Sonne kitzelt uns aus dem Schlaf, was eigentlich ein sinnliches Erwachen wäre, wenn Luca mir nicht mit seinen Füßen im Gesicht trommeln würde. Guten Morgen, 7:30. Jeden Morgen schnappe ich mir die Kids und besorge Baguette, damit Denise etwas private Zeit bekommt. Um den Tripp etwas zu verlängern locke ich die Kinder vorerst zum Strand um zu schauen, wie viele Surfer in den Wellen toben und uns wieder Richtung Pool treiben, damit die Kinder nicht weggespült werden. Kurz vor dem mit Palmen bedeckten Strand hört man eigentlich schon immer die Wellen an den Strand donnern. Mir schießen fast die Tränen in die Augen als ich leise zu Elli flüstere: Hörst du es? Nein Papa, ich höre nichts und ich hab ganz, ganz, ganz viel Hunger!! Ja, eben man hört nur die Vögel zwitschern.Wir kommen zum Strand und es ist herrlich, sanfte Wogen spülen weiße Muscheln hin und her. Jippi, heute wird im Meer gebadet. Im Makro Markt, wo ich für die Beschaffung des Baguettes zuständig bin, spendiere ich heute noch in inniger Freude Bananenmuffins. Elli schaut ungleubig und fragt, ob sie diese wirklich vor dem Frühstück essen darf. Wir dürfen es nur nicht Mama sagen, antworte ich. Mit Krümeln am und Muffin im Mund rennt sie auf die Terrasse und schreit, schaumal Mama: Muffins!!
Marko, du sollst... Leider sind die Vögel zu laut und ich verstehe nicht richtig, was Denise sagen will. Das Frühstück nutzen wir für einen Disput über kindgerechte Ernährung. Als diese beendet ist, kontaktieren wir Mela und treffen uns am Strand. Wellcome back to the Gulf of Thailand.

Good Bye Varinda

Wie so oft im Leben lohnt sich der Blick zurück. In unserem Fall schauen wir mit einem lachenden Auge auf die doch ereignisreiche Zeit im Hippieresort, als wir mit Sack und Pack an der Ausfahrt stehen und noch einmal bergauf blicken. Abgehackt, sage ich und winke ein Taxi ran. Ich gebe ihm die Adresse unseres Hauses, das wir für die kommenden zwei Wochen gemietet haben und er nennt mir einen Preis, der Schüttelfrost in mir verursacht. Ich erkläre ihm, dass es für mich eine Schmerzgrenze gibt und ich mir zur Not eine Pritsche leihe, da es in die neue Richtung abwärts geht. Er versteht mich nicht und ist trotzdem mit dem Rabatt einverstanden. Das wohnen in Hotels haben wir nun erst einmal an den Nagel gehängt und uns einer Villa bemächtigt. Hier gibt es endlich die große Familienzusammenkunft mit Mela und Dan. Zusätzlich freut sich Elli auf Tante Manu und hüpft erwartungsfroh auf ihren Taxisitz hin und her. Villa hieß es zumindest in der Airbnb Beschreibung. Wir haben ja mittlerweile gelernt die Situationen hier zu meistern wie sie kommen und sind ohne Erwartungen auf dem Wege zu besagter Villa. Ein Security Guard öffnet ein großes Stahltor und das Taxi fährt direkt bis vor den Eingang. Dankbarkeit macht sich in unseren Gesichtern breit. Alles ebenerdig, ruhig, Idyllisch und wunderschön. Ein weißer Sandstrand läuft entlang der Siedlung und Palmen sprießen aus dem Boden. Als wir vollzählig sind starten wir mit einer Poolparty und planen die ersten Ausflüge. Da wir nun gegenseitig babysitten können, wollen wir endlich mal die Insel ohne Kids erkunden. Denise und ich entscheiden sich sofort für einen 8 Stündigen Bootsausflug. Manu schaut uns an und weist darauf hin, dass Luca schon gerade in einer sehr stressigen Phase ist. Ich verschweige, dass es die Nettozeit ist. Inkl. Transfer sind es 10 Stunden. Man wächst mit seinen Aufgaben, sage ich und weise auf unsere letzte Woche Varinda hin.

Am kommenden Morgen ist es soweit, als der Wecker um 6 Uhr klingelt. Ich drücke mir selbst das Kissen auf den Kopf und frage mich, ob es eine gute Idee war. In größerer Runde schmeckt die Pina Colada noch besser und der Schädel dröhnt nach wenig Schlaf. Wir packen rasch die Sachen und klopfen an Manus Tür. Roboterartig streckt sie die Arme aus und wünscht uns mürrig einen schönen Tag. Als wir das große Tor passieren, sind Lucas Schreie fast verhallt. Ich frage Denise wo man uns denn eigentlich abholt, da wir schon einige Minuten laufen, was sich zu so früher Stunde eher wie Schlafwandeln anfühlt. Sie meint sie hat als Adresse den Chiva Beachclub angegeben. Aber da sind wir doch gerade dran vorbeigelaufen, erwähne ich. Es stand aber kein Van da und wir sollten ihm entgegenlaufen, bekomme ich zu hören. Hmmm, wieso das denn? Nach 10 min Fußmarsch stehen wir an einer großen Straße und warten weitere 20 min. Toll, jetzt war das frühe aufstehen umsonst. Leider haben wir keine sim-karte gekauft und niemand kann uns erreichen. Als wir kopfhängend den Heimweg antreten wollen, kommt uns ein Van entgegen und der Fahrer gibt zu verstehen, dass er 30 min am Chiva gewartet hat. Schulterzuckend schaue ich Denise an und wir steigen in den Van. Ein sehr gesprächiger Zeitgenosse unserer Fahrer. Der Van könnte von Harald Glöckler sein und der Schaltknauf ist ein riesiger Dildo. Als ich Denise darauf hinweise, spuckt sie dem Fahrer fast eine Tagesration Wasser in den Nacken. Sanft streichelnd schiebt er den Fallus nach hinten und beschleunigt im zweiten Gang. Am Pier angekommen wickelt man uns einen gelb-brauen Wollfaden ums Handgelenk und bittet uns zum Frühstück. Ich will die kinderlose Zeit nicht mit Essen verschwenden und erkunde die neue Welt wie eine Ratte auf Landgang.

Einige Touristen springen auf und versammeln sich vor einem Speedboot. Ich schnappe mir Denise und platziere uns ganz vorn in der Reihe. Marko, die Bänder der anderen sind Lila-Blau, denkst du wir sind richtig? Die haben die gleiche Tour bestimmt nur über eine andere Agency gebucht, versuche ich mich zu erklären. Badelatschen in einen riesigen Sack geschmissen und beim Einstieg noch in die Kamera des 2ten Mart gelächelt sitzen wir im Boot. Die Motoren heulen und der Anker wird gelichtet, als ein hektisch winkendes Männlein auf den Kahn springt und uns vom selbigen zehrt. Wrong Boat Mista!! Oh, ich weise darauf hin, das unsere Latschen noch ganz unten in dem festgeschnürten, vor Wasser geschütztem Säcklein weilen. Rollende Augen springen uns entgegen, als wir die Abfahrt verzögern. Als ich noch darauf hinweisen möchte, doch bitte die Fotos von uns zu löschen, bevor man uns vergebens suchst, hat das Boot schon abgelegt. Kurze Zeit später sitzen wir im richtigen Boot in der letzten Reihe neben drei 100 PSern und 6 kreischenden Spanierinnen. Ich weiß nicht was lauter ist, die Gesänge der pubertären Gören oder das Jaulen der Motoren. Die Fenster im Boot sind so hoch angebracht, dass man den Horizont nicht mehr erkennt. Um Übelkeit zu vermeiden, verrenke ich meinen Kopf und schaue in die Gesichter der Girlies, die im Einklang mit den Motoren kreischen. Mann ist mir übel stöhne ich zu Denise, die krampfhaft versucht zu lächeln. Only 45 minutes, lächelt ein braungebrannter Matrose.

Nach gefühlten 90 Minuten kommen wir an der ersten Attraktion an. You have 30 minutes for snorkeling schalt es übers Boot. Ich schnappe mir meine Unterwasserkamera und springe von Board. Im Flug sehe ich 10 weitere Boote in Reihe und ca. 200 Köpfe, die im Wasser schaukeln. Aus Selbstschutz ziehe ich die Beine an und lande neben zwei älteren Damen im Wasser. Denise? Nein, Birgit und Carola. Bevor ich Denise suche wage ich einen Blick ins kühle Blau. Einige braune Korallen und kleine lustlose Fische schwimmen wenig aufgeregt unter 400 Beinen. Welche mögen wohl von Denise sein. Um die Privatsphäre der Touristen zu wahren, suche ich lieber oberhalb der Wasserlinie nach Denise‘ Kopf. Sie trägt zum Glück eine Tauchmaske von Decathlon mit feschem Neonschnochel und ist abseits des Trubels zu finden. Wir machen ein paar Bilder von uns selbst, denn Nemo im bunten Streifenkleid suchen wir hier vergebens. Wir amüsieren uns noch etwas über die herabhängenden Beine unter Wasser bevor es wieder aufs Boot geht.

Ok, erster Stopp abgehackt. Die Tatsache, den schönen Tag ohne Kinder zu verbringen lässt braune Korallen und farblose Fische trotzdem im Glanze erstrahlen. Diesmal geht’s 20 Minuten wie auf einer Buckelpiste über die Wellen Richtung Viewpoint. An jeder Ecke in Thailand gibt’s ein Pfeil mit Viewpoint, irgendwo aufm Berg. Da wir uns mit Bergen ja nun bestens auskennen, freuen wir uns auf das Climbing. Das Boot hält an einem 100m langen Plastiksteg, der in Form von schwimmenden Platten auf dem Wasser liegt. Denise macht den Vorreiter und taumelt wie der Buttler von Dinner for One über ein Wasserbett. Es ist herrlich anzusehen. Es hat ein bisschen was von Traubenstampfen. Man weiß nie, wo der nächste Schritt hingeht. Am Strand steht ein Guide der uns lediglich die Richtung zeigt und uns ein Zeitfenster vorgibt. Die ersten Stufen sind noch recht angenehm, ab der Hälfte fühlt es sich wie eine Leiter an und gegen Ende fragt man sich, wie man da wieder runterkommt. Vorwärts auf jeden Fall nicht. Es ist wirklich schön und erinnert mich an die Halong Bucht in Vietnam. Überall sind kleine Inseln, die nach und nach im Nebel am Horizont verschwinden.

Fortsetzung folgt…

Von oben betrachtet sehen die Stufen noch viel steiler aus, bemerken wir, als es wieder abwärts geht. Die Körperhaltung ist die gleiche wie beim Aufstieg, nur dass man nicht sieht, wo man hintritt. Wir tasten uns mit den Füßen von Stufe zu Stufe und benötigen eine halbe Ewigkeit, um wieder Sand unter die Füße zu bekommen. Noch ein paar ruhige Minuten mit zitternden Beinen und Schweiß auf der Stirn, bevor es wieder über den blau schimmernden Plastiksteg zurück aufs Boot geht. Die Motivation der Mitreisenden sink langsam, da ein frischer Wind aufzieht, der das Boot über die Wellen hüpfen lässt. Bleiche Gesichter klammern sich an den Sitz des Vordermanns, während die Zeit zum nächsten Ziel schier unendlich scheint. Only five minutes to Lunch. Das klingt nach einem Plan und die Gesichter erhellen sich. Die Insel, die wir jetzt ansteuern ist noch kleiner und das Boot kann aufgrund der Wellen nicht bis zum Strand vorfahren. Man bittet uns also ans Heck. Camera no good Sir!! Ich verstehe nicht… Denise meint ich soll die Kamera lieber im Boot lassen, wenn ich im Sommer noch vorhabe eine Hochzeit damit abzulichten. Ich entscheide mich für die wasserfeste Ausrüstung und werde von Board geschuppst. Als ich im brusttiefen Wasser lande und mir das Pastik-case der Kamera ans Kinn schlägt, bekomme ich kurz schlechte Laune. Meine noch vom Viewpoint zitternden Beine wollen nicht mehr und ich lasse mich von den Wellen an den Strand spülen. Marko, ich habe ein Zuckerloch… Ich brauche ganz dringend etwas zu essen… sagt die Person, die mich an der Hand in die Reihe der Essensausgabe zerrt. Es gibt gebratene Nudeln, Curry, Reis und Obst. Wir entscheiden uns für alles und schieben uns die Kalorien hinter, als ob es kein Morgen gäbe.

Wolken ziehen auf und es beginnt langsam zu regnen, als eine krächzende Stimme ertönt. Thirty minutes vor KAYAK. Ich schaukel lieber, möchte ich anmerken, als ich mit pinker Weste und einem blauen Paddel ein Plastikboot ins Wasser schieben muss. Kayak ist wie Tandem aufm Fahrrad. Der Hintere kann die Beine hochlegen. Da Denise unbedingt vorne Platz nehmen wollte, blieb für mich nichts anderes übrig. Paddelst du überhaupt mit, Marko? Wir kommen ja gar nicht voran. Der Strand ist doch schon ziemlich weit weg, merke ich an. Ja, aber wir sollten den Bojen folgen und treiben gerade aufs Meer hinaus. Ängstlich schnappe ich mir mein blaues Paddel und beginne die Rettungsmission. Wie schön, denke ich als ich meine Zehen endlich wieder in den durch Regen festen Sand kralle. Jetzt habe ich nicht nur zitternde Beine, sondern auch noch brennende Arme. Ich schnappe mir einen weiteren Obstteller und verschwinde auf der Schaukel. Yippi, wir dürfen wieder aufs Boot und eine neue Achterbahnfahrt beginnt. Only twenty minutes to Viewpoint Two. Verwunderte Augen, die krampfhaft einen Horizont im Regen suchen, blicken über die Reling.

Als wir das Boot verlassen, zeigt der Kapitän auf einen Berg, dessen Spitze fast in den Wolken versinkt. Only one hour to finish. Ohne mich!! Meine Knie schmerzen und mein mit currygefühlter Magen häng kurz überm Schambein, gibt Denise zu verstehen. Es gibt fünf Aussichtspunkte. Von 100 - 500 Höhenmetern ist alles dabei. Lass uns wenigstens zum Zweiten sage ich und wir stapfen los. Ein unangenehmer Schmerz macht sich in den Waden breit als wir über uns hinauswachsen und doch Plattform Nr. 3 erreichen. Ich drehe mich zu Denise und will fragen, ob… Nein, mach was du willst. Ich bleibe hier!! Ich wollte eigentlich nur fragen, ob du wenigstens für ein Foto kurz lächeln könntest. Viel Spaß da oben, ruft sie mir hinterher als ich sie an Viewpoint 3 zurücklasse. Nach 10 Minuten gabelt sich der Aufstiegspfad und ich bin etwas überfordert. Nach 500 Höhenmetern erreiche ich das Ziel und mache mit letzter Kraft ein Beweisfoto für Denise. Da ich selbst darauf zu erkennen sein möchte, drücke ich meine Kamera einem freundlichen Jüngling mit asiatischer Herkunft in die Hand und bitte ihn mich abzulichten. Only Black Mista! Was, frage ich. Maybe Battery empty. But i could made one picture. Die Wenigen, die es bis nach oben geschafft haben, fangen an zu klatschen, der Jüngling hinter der Kamera lächelt verschmitzt. You lucky Guy, Mister!!. Den Abstieg habe ich aus meiner Erinnerung verdrängt, gebe ich zu bemerken, als mich Denise an Zwischenstopp Nr. 3 wieder in Empfang nimmt. Mein kometenhafter Aufstieg beschert uns noch 10 min Entspannung am Strand bevor es an Board in Richtung Heimat geht.

Die Motoren und singenden Spanierinnen laufen bereits auf Hochtouren, sodass wir beschließen, draußen am Bug Platz zu nehmen. Der Kapitän gibt zu verstehen, dass wir uns gut festhalten sollen und schwupps schlägt die erste Welle über die Reling. Inklusive Denise und mir sitzen noch 3 Franzosen in Form von zwei Damen und einem Herrn und der nette Asiate, der mich auf Plattform Nr. 5 knippste, ebenfalls mit vorne. Alle nass! Von oben bis unten. Der Rest vom Wasser treibt ein paar Schwimmwesten ins innere des Bootes. Diese schmückten am Vormittag noch die Brüste aller Bootsinsassen und nun scheint es bei Windstärke 5 niemanden mehr zu interessieren. Denise und ich bekommen das Grinsen nicht mehr aus den Gesichtern, während um uns herum die Gesichter langsam bleich werden. Der eben noch jubelnde Asiate hat sich ins Innere begeben und die zwei französischen Damen hängen mit schwarzen Mülltüten vor den Mündern, nur noch schlapp nach vorne gebeugt. Unser Hinweis, den Horizont nicht aus den Augen zu verlieren ist verhalt. Jetzt begutachten sie das Innere vom Pastiksack, gestützt von männlicher Begleitung, die ihre Haare nach hinten halten. Es ist ein Amüsement erster Klasse und meine Mundwinkel schlagen an den Ohren an. Nach einer Stunde Wellenreiten sind wir nach 9 Stunden Ausflug wieder am Pier. Unser Driver wartet bereits freudestahlend am Harald Glöckler Van. Wir warten noch auf 5 weitere Insassen, bevor er seinen Dildoknüppel nach vorne schiebt und zärtlich die Kupplung kommen lässt. Zufrieden fallen wir in die Ledersitze und lassen den ereignisreichen Tag Revue passieren. Alle anderen sind still, da die immer noch blassen Gesichter, weiter gegen die Übelkeit ankämpfen. Manu freut sich riesig über unser Eintreffen und sieht völlig fertig aus und meint, dass sie erst einmal ein paar Tage Ruhe braucht, bevor wir wieder vorhaben den Tag fernab der Kids zu verbringen.

Halal

Nach einigen Tagen Villa-Life, entspannten Poolsessions und Zubereitung diverser Fischgerichte wollen wir uns der Region etwas vertraut machen, in der unser Häuslein steht. Let`s go töne ich und stehe mit Badelatschen und Kamera bereit. Das ist wieder so typisch faucht mir Denise entgegen. Du schnappst dir deine Kamera und das wars, kannst du bitte auch an die Kinder denken? Wickelzeug, Getränke, Sonnencreme, Hüte, etc… Puh, was war das Erste nochmal? Ich packe Nr. 2 & 3 in einen Beutel und stehe wieder an der Tür. Marko!! Eincremen!! Die Sonnencreme soll auf die Haut der Kinder und nicht in den Beutel. Herjemine, ich rolle lustlos mit meinen Augen, dass es mir fast schwindelig wird. Ich creme die Kinder ein und der klebrige Rest landet in meinem Gesicht. Zwei Kinder sind zu viel für das bisschen Aufmerksamkeit, was ich heute Morgen gewillt bin zu geben. 37 Minuten nach dem ich bereit war sind nun auch alle anderen am Start und es geht los. Als wir das mit Palmen beschattete Grundstück verlassen, entfaltet die Sonne Ihre Wirkung bei vollen 35° und wir haben in binnen von Sekunden einen dünnen Schweißfilm auf der Haut. Zwischen mir und Luca, der in der Trage vor meiner Wampe hängt, ist es klitsch nass. Leider findet dies nur einer von uns beiden zum Lachen. Schnell merken wir, dass es recht mühsam ist unsere Umgebung zu entdecken, da es leider nichts gibt, was es sich lohnt zu erkunden. Nach 10 Minuten treffen wir auf einen Massageshop und nach 30 erreichen wir entkräftet einen 7/11.

Ich brauche ein Bier melde, melde ich an und bekomme Zuspruch. Bevor mir wieder Egoismus vorgeworfen wird, erkundige ich mich bei den Kids und Denise, nach weiteren Wünschen. Eis? Denise hat es aufgegeben mich über die kindgerechte Ernährung zu belehren, sodass nur ein Nicken kommt. Vollbepackt mit Süßkram und Bier in der Kralle suchen wir nach einem Restaurant und wollen etwas to go bestellen. B-Kitchen sieht vertrauenswürdig aus und eine nette Dame mit Kopftuch tritt vor die Tür. Wir durchwälzen die Karte und der in uns weilende Appetit lässt uns über die Stränge schlagen. Als wir uns ein weiteres Bier öffnen frage ich was Halal bedeutet was auf einem Schild hinter mir prangert. Manu kennt sich in der arabischen Welt gut aus und als sie ihr Bier sanft unter dem Tisch verschwinden lässt, flüstert sie: das ist muslimisch und die versagen sich dem Alkohol. Luca trägt eine Krone aus dernPackung des Chang Sixers und wir kippen die Biere auf ex hinter, um die Motivation der Gastgeber bei der Essenszubereitung nicht zu beeinflussen. Nach 56 Minuten kommt die kopftuchtragende Dame mit 5 Großen Tüten und der Rechnung. Ohne Bier bedanken wir uns herzlich und treten den mühsamen Heimweg an. Wenigstens kann das Essen nicht kalt werden, denn die Sonne steht im Zenit und ackert fleißig. Auf halber Strecke bittet mich Denise ihr den Beutel mit der Sonnencreme zu reichen, um bei den Kids eine Ladung nachzulegen. Ich frage sie, ob sie den Betel meint, der im Restaurant auf dem Stuhl neben mir lag. Mit lachender Sonne im Rücken, trotteln wir zurück zu Mama Halal und die Perlen aus Schweiß benässen die Innenseite unserer Kleidung. Das ist mir zu Scharf, jammert Denise, als wir endlich alle am Tisch sitzen und Essen wollen.

Overlap Stone

Aber nicht zu lange, gibt uns Manu noch mit auf den Weg als Denise und ich freudestrahlend das Grundstück mit dem Scooter verlassen und sie im Rückspiegel langsam hinter einer Staubwolke verschwindet. Ein Gefühl von Freiheit macht sich breit, als der Wind die Haare unter dem wenig passendem Helm, in Wallung bringt. Voller Freude drehe ich das Gas auf und bekomme eine freundlich bestimmte Bemerkung zu hören. Zu scharf! Nicht zu schnell! Es ist oft schwierig als Mann herauszufinden, wo sich die Wohlfühlzone der Weiblichkeit befindet. Gemächlich rollen wir im Sonnenschein fernab des Kinderlärms. Ein weiteres Zwicken und ein Aufschrei signalisiert mir: Hier links bitte! Ich biege ab und bekomme Nackenstarre, als ich mit meinen Augen dem Horizont folgen will. Uiuiui, das ist steil. Den Oberkörper über den Lenker gebeugt geht es zackig bergauf und der Strand verschwindet im Rückspiegel. Es gibt nur ein Motto und das lautet Vollgas, bis es wieder horizontal wird. Nach 20 Minuten erreichen wir eine Plattform mit dem Hinweis: Overlap Stone. Das ist der neueste influencer shit, hier waren sie alle schon. Die Facebooker, Tik Toker, Instagrammer und die vor ihren Kindern Flüchtenden. Nur ganz oben ist man sicher vor dem Beutelpacken und Sonnencremeverteilen. Wir parken den Roller und richten unsere Oberkörper wieder gerade. Als wir eine Treppe Richtung überlappenden Steines nehmen wollen, springt eine hagere Frau hinter einem Tresen vor und versperrt uns den Zugang. You have to pay! Only 100 Bath. Ich zücke einen Schein und schiebe sie zur Seite, als sie wie an einem Gummiband zurückschwingt und trällert. Two Person, 200 Baht. Frechheit! Einfach eine Schranke in Mutter Natur gezimmert und Eintritt verlangt, dass sind die simplen Geschäftsideen der gewitzten Thais. Stop! Schreit sie uns hinterher. Free Drinks! Wir treten an ihren Kühlschrank und entscheiden uns für Coke und Wasser. 193 Stufen mit schmerzhaftem Steigungsverhältnisses lassen uns die Sinnhaftigkeit unseres Ausfluges hinterfragen, als wir endlich eine weitere Plattform erreichen. Wir treten unter ein Vorzelt, was die wartenden Influencer vorm Hitzetot schützen soll, als es erneut ertönt: 50 Bath please! Ich habe gelernt und gebe direkt die 100 Bath hin. In diesem Moment beschließe ich meinen Instagramm Account wieder etwas zu pflegen, damit ich für den ganzen Stress wenigsten 20 Likes meiner Freunde bekomme.

Wir reihen uns in die Schlange und beobachten das Treiben. Damit man auf dem Foto als einsamer Entdecker zu sehen ist, darf jeder einzeln, das aus Mutter Natur entsprungene Wunder, betreten. Es gibt einen Steg, bei dem auf nutzlose Geländer verzichtet wurde, die das Wildlife-Feeling zusätzlich unterstützen. Der Blick nach vorne ist traumhaft. Es ist allerdings ein komisches Gefühl mit den glotzend, wartenden Influencern im Nacken. Only 3 Minutes - hat uns ein Schild als Zeitlimit vorgegeben. Schnell ist ein Haken dran und wir befinden uns im Abstieg. Als wir die erste Stufe nehmen wollen, werden wir zurückgedrängt. It´ closed – take this way! Deutet eine Hand Richtung Dickicht. Die stark marode Treppenanlage wird just in diesem Moment geschlossen und handgeschrieben DIN A4 Bögen weisen uns den Weg durch Unterholz. Nach 30 Minuten und ohne weitere Zahlungen kommen wir wohlbehalten am Scooter an. Wir beschließen noch etwas die Freiheit zu genießen und die Insel zu erkunden, bevor es wieder mit Sonnencreme und Windelbeutel zur Sache geht.

very hot

Lust auf Chicken Cashewnut, fragt Manu. Alles klar, schreie ich und hieve meine 90 Kilo aus dem Pool. Ab geht’s mit dem Scooter zu Mama Halal. Sie ist eine Göttin hinter dem Wok und durch das Kopftuch, was sie auf Grund religiöser Umstände trage muss, landen keine Haare im Essen. Mit der Bestellliste im Brustbeutel drücke ich aufs Gas, als Mela wildwinkend mit Extrawünschen die Abfahrt boykottiert. „Ich hätte gerne was von dem Laden davor“ und schickt einen Screenshot der Speisekarte via WhatsApp. Hmm, ok eigentlich gilt hier beim Essen: never change a running system, denn bevor man den Wirt auf den zu vertragenden Schärfegrad geeicht hat, vergehen meist einige Besuche im selben Restaurant. No spicy heißt so viel wie Schleimhautverätzung im hinteren Rachenbereich. Mama Halal war auf `nem guten Wege und soll die kulinarische Beziehung so aprupt enden? Ich würde dann gerne zwei Bestellungen in verschieden Restaurants aufgeben, trällere ich zu Manu als ich den Scooter an der Straße parke. Das dauert mir zu lange. „Ich habe Hunger!“ pfeift sie mir unter das Visier meines Helmes. OK, ich gebe mich geschlagen. Ein grauhaariger, für asiatische Verhältnisse recht großgewachsener Mann begrüßt uns freundlich und da ich die Karte noch nicht kenne verliere ich mich in 16 Seiten Thaifood. Was soll das Marko, am Ende nimmst du doch eh wieder Chicken Cashewnut, gibt Manu mit pochendem Finger auf dem Tisch zu verstehen. Das kostet hier aber doppelt so viel wie bei Mama Halal, sage ich. Frechheit, erwidert Manu. Dann machen wir hier beim thailändischen Gandalf, die Bestellung für Mela, Dan, Denise und die Kids und gehen dann kurz zu Mama Halal. Das sollte ja dann ca. gleichzeitig fertig sein. Ich schnappe mir mein Smartphone mit der Bestellung und beginne. Gandalf zückt einen Bleistift hinterm Ohr hervor und beginnt auf einem bereits beschriebenem Blatt die Bestellung aufzunehmen. Ok, Papaya Salat please. Er schreibt mit der Geschwindigkeit eines Faultiers und ich höre Manus Füße unruhig im Sand tippeln. Pathai Seafoooooood. Ich merke bereits, wie ich meine Sprache so verlangsame, dass er simultan mitschreiben kann. Fried Riiiiiice Vagetaaaaaaaables. Boah is mir heiß, stöhne ich, als ich das staubige Visier meines immer noch auf dem Kopf befindendem Helmes hebe. Als ich dann French Fries sage, blickt er plötzlich auf und schaut etwas grimmig. Ich blicke ihn fragend an und er deutet auf den schmalen Block, den er zärtlich mit dem Bleistift streichelte. Er gibt zu verstehen, dass die Seite voll ist und statt einfach eine neue zu nehmen und weiterzuschreiben, streicht er vor meinen mit Tränen gefüllten Augen, die gerade so mühsam diktierten Positionen unserer Bestellung wieder durch und widmet sich eines neuen Blattes. Manu und ich schauen uns verständnislos und äußerst genervt an. Wir ziehen uns zwei Stühle zum Tresen und das Spiel beginnt von vorn. Ich bekomme Panik, wenn ich ihm noch länger beim Schreiben zugucken muss. That‘s all, versichert er sich noch einmal.

We pick it up in 20 Minutes, gebe ich zu verstehen als wir fluchtartig das Restaurant verlassen wollen. No!! Wir bleiben stehen und drehen uns ängstlich um. 45 is better! Mit runterhängenden Schultern verlassen wir den Saftladen. 20 Meter weiter stehen wir vor Mama Halal und ein freundlicher, mit Staub benetzter Bauarbeiter schaltet seinen Presslufthammer aus, als er unsere großen Augen und offenen Münder sieht. We are close, only 3 Days. Naaaaaaaain, und nu? Ich glaube wir müssen zurück zu Gandalf, gibt Manu zu verstehen. Wir trotten wehmütig zurück und geben zu verstehen, dass wir mit der Bestellung doch noch nicht fertig sind. Da unsere Stühle noch am Tresen stehen, können wir direkt Platz nehmen und zu schauen wie er feinfühlig seinen Bleistift zückt und genervt mit den Augen rollt. 2x Chicken Cashewnut und 1x Vegetables Cashewnut. No spicy, please. Um die Wartezeit zu überbrücken besuchen wir noch eine Supermarkt, um die Zutaten für unsere nächtlichen Pina Colada Partys zu besorgen. Als wir nach 50 Minuten unser Essen abholen, wartet Gandalf bereits freudestrahlend. Wir schnappen uns ungläubig die zahlreichen Tüten und hinterlassen eine Staubwolke. Voller Gier sitzen 5 Erwachsene und 4 Kinder am üppigen Essenstisch und es sind folgende O-Töne zu vernehmen. Oh Gott is das scharf. Das kann ich nicht essen. Ich schwitze schon. Ich spüre meine Zunge nicht mehr. Ich habe doch extra nicht scharf bestellt. Ich ess nur den Reis. Sind noch Nudeln im Kühlschrank? Sehnlichst erwarten wir den Tag an dem die Bauarbeiten in Mama Halals B-Kitchen vollendet sind und die Göttin des guten Geschmacks wieder ihre Woks zum Glühen bringt.

Time 2 Move

Die Zeit rast wie im Fluge, bemerke ich als wir nach zwei Wochen Villa-Leben im Speedboot nach Koh Phangan sitzen und sich meine Augen krampfhaft versuchen den Horizont zu finden. In der Gischtwolke des 1000 PSers verschwindet langsam die Insel, die uns die letzten Wochen eine Heimat war. Bevor sich die Melancholie breit machen kann, ist mein Gehirn wieder damit beschäftigt, meine Augen gen Horizont zu loten. Wir waren die Letzen auf dem Seelenverkäufen und sitzen getrennt. Meinen Dank dafür werde ich dem Käpten beim Verlassen des Bootes mitteilen. Denise schnattert aufgeregt mit einer neuen Bekanntschaft in Reihe 5 und ich zeige ein Gesicht, welches nicht zum Smalltalk einlädt und gebe mich dem Vibrieren und Brummen der Motoren hin. In Indien ist es Mantra, hier nennen sie es fast ferry. Was ein trügerischer Begriff ist, da sich bereits die Abfahrt um 45 Minuten verzögert hat. Auf diesem Flitzer trennen sich die Wege von Mela und uns. Für Erstere geht’s nach Koh Tao, wo sich die beiden dem Tauchen widmen wollen.

Als die Motoren langsamer werden und die Sonnen langsam die Wolken durchbricht, springt Denise auf und schreit: Ich seh ihn schon da drüben am Pier. Florian, der Nachzögling der Winklersbande aus Kanada. Zusammen mit Chantal, der Grund für die Flucht aus der Heimat. Da die beiden nur mit Handgepäck in Form von zwei niedlichen Rucksäcken reisen, werden sie zur Begrüßung gleich mit dem Dietrichen Hausrat beladen, den wir zum ursprünglichen Gepäck in den letzten Wochen angehäuft haben. Der Pritschenwagen mit Zweireiher hat ja genügend Platz auf dem Dach und als drei Mitarbeiter versuchen Denises roten Monsterkoffer aufs Selbige zu hieven, droht ein Bandscheibenvorfall. Aber die zähen Asiaten versuchen es mit einem Lächeln zu kaschieren. Da die See uns noch nicht genügend durchgerüttelt hat, sitzen wir nun im rostigen Käfig, der uns über die bergige Insel schaukelt und der Fahrer jault zu Bob Marley. Als wir an der Unterkunft unserer Wahl eintreffen und wir mit Sack und Pack den Hügel zu unserer Unterkunft hochschauen, kommen stechende Erinnerungen an unsere glorreiche Hippiezeit im Varinda zum Vorschein. Als ich oben an der Rezeption einen Ventilator sichte, schlage ich Denise vor mich um die Anmeldung zu kümmern und sie nur das Gepäck und die Kinder bewachen müsse. Da die Bungalows auf den Bildern im Netz recht klein aussahen, haben wir vor einigen Tagen einen weiteren gebucht und wollen das Eheleben nun auf zwei separaten Terrassen genießen. Endlich mal ausschlafen grinse ich in mich hinein als ich mit Elli unseren Bungalow aufsperre. Oh Papa hier sind ja zwwei riiiiiisige Betten, da kann ja Mama doch hier schlafen. No Refund brülle ich ins leere Badezimmer.